Im November wird es in Norddeutschland früh dunkel, der Wind kommt vom Wasser, und viele Reisende streichen die Hansestadt Lübeck von ihrer Liste. Das ist ein Fehler. Gerade in den grauen Wochen zeigt sich die Altstadt von ihrer ruhigsten Seite, denn die Tagesgäste aus dem Sommer sind verschwunden. Die Backsteinfassaden wirken bei tief hängendem Himmel dunkler und satter als im Hochsommer, und die Gassen gehören für ein paar Stunden fast ganz Ihnen. Lübeck liegt nur etwa 45 Minuten mit dem Regionalzug von Hamburg entfernt, und wer ohnehin ein Deutschlandticket besitzt, fährt ohne Zusatzkosten. Die Altstadt ist seit 1987 UNESCO-Welterbe, und genau diese Dichte an Gotik und Geschichte spürt man im Herbst besonders deutlich. Im Folgenden finden Sie einen Reiseplan für einen Tag und einen Überblick über Preise, die Sie vor der Fahrt prüfen sollten.
Anreise: Regionalzug, Deutschlandticket und Hamburg als Ausgangspunkt
Der einfachste Weg führt über den Hamburger Hauptbahnhof. Von dort fahren Regionalzüge regelmäßig nach Lübeck Hauptbahnhof, die Fahrt dauert rund 45 Minuten. Das Deutschlandticket gilt im Regionalverkehr und damit auch auf dieser Strecke. Es kostet aktuell 63 Euro im Monat, doch die genaue Summe sollten Sie vor dem Kauf auf bahn.de prüfen, weil sich Tarife zum Jahreswechsel verändern können. Wer ohnehin mehrere Städte im Norden besucht, rechnet das Ticket am besten gegen die geplanten Fahrten auf. Wer nur einen Tag einplant, vergleicht den Einzelfahrschein mit dem Monatsticket, denn das hängt allein vom Reisemuster ab. Vom Lübecker Hauptbahnhof erreichen Sie die Altstadt in einem Fußweg von etwa zehn Minuten, wenn Sie das Holstentor als Ziel wählen.
Wer mit dem Auto anreist, findet nahe der Altstadt Parkhäuser, doch die Innenstadt ist für den Autoverkehr stark eingeschränkt. Parkgebühren und Einfahrtsregeln sollten Sie daher vorab prüfen, damit der Tagesplan nicht schon am Morgen ins Stocken gerät. Die Bahn ist meist die entspanntere Wahl, und vom Bahnhof aus lässt sich die Altstadt bequem zu Fuß erreichen. Im November fällt der Abend früh herein, deshalb ist eine Rückfahrt mit dem Regionalzug am späten Nachmittag oft die sicherste Planung.
Die Altstadt in drei Etappen
Lübecks Altstadt liegt auf einer Insel zwischen Trave und Wakenitz, und der Rundgang lässt sich gut zu Fuß bewältigen. Starten Sie am besten am Holstentor, dem Wahrzeichen der Stadt, und arbeiten Sie sich dann Richtung Marktplatz vor. Von dort geht es vorbei an schmalen Giebelhäusern bis zu den großen Kirchen. Planen Sie für den Rundgang etwa drei bis vier Stunden ein, wenn Sie auch in ein Museum gehen. Die Gassen sind im November oft fast leer, was die Fotos ruhiger macht. Prüfen Sie vorab, ob Ihr Wunschmuseum an Ihrem Reisetag geöffnet hat, denn die Öffnungszeiten wechseln je nach Saison.
Ein Detail, das viele Besucher übersehen, sind die Gänge. Hinter den Straßenfassaden verbergen sich schmale Durchgänge, die zu kleinen Höfen mit Backsteinhäusern führen. Viele davon waren früher Wohnstätten für Handwerker und ärmere Familien, und einige sind bis heute bewohnt. Betreten Sie diese Höfe nur, wenn der Zugang offen ist, und respektieren Sie die Privatsphäre der Bewohner. Im November fallen Licht und Schatten in diesen engen Räumen besonders reizvoll aus. Gehen Sie langsam und schauen Sie nach oben, denn oft entdecken Sie Giebelreihen, die von der Straße aus kaum zu sehen sind. Ein Spaziergang durch drei oder vier Gänge kostet nichts und dauert kaum länger als eine halbe Stunde.
Holstentor: das Stadttor aus dem Jahr 1478
Das Holstentor wurde 1478 fertiggestellt und gehört zu den bekanntesten Stadttoren Norddeutschlands. Es stand als Teil der Stadtbefestigung an der Straße nach Holstein, daher der Name. Heute beherbergt es ein Stadtmuseum, in dem Sie die Geschichte der Hanse nachvollziehen können. Die Fassade zeigt typische Backsteingotik mit mächtigen Türmen und hellen Zierbändern aus Stein. Im Herbst lohnt sich der Blick vom gegenüberliegenden Ufer, wenn das Licht flach über das Wasser fällt. Achten Sie beim Ticket darauf, ob Sie nur die Außenansicht wollen oder auch den Museumsbesuch einplanen.
Marienkirche: Vorbild der Backsteinkirchen im Ostseeraum
Die Marienkirche gilt als Vorbild für zahlreiche Backsteinkirchen im gesamten Ostseeraum. Ihre hohen Gewölbe und das schlanke Mittelschiff zeigen, wie die Baumeister des 13. Jahrhunderts die Gotik in Ziegel übersetzten. Die Kirche gehört zum UNESCO-Welterbe der Altstadt und ist eines der wichtigsten Bauwerke der Region. Im Winter ist der Innenraum oft kühl, weshalb ein Schal im Gepäck nicht schadet. Die Öffnungszeiten richten sich teils nach Gottesdiensten und Veranstaltungen, also schauen Sie vorab nach. Schon ein kurzer Besuch zeigt, warum Lübeck einst als Königin der Hanse galt.
Buddenbrookhaus: Thomas Mann in der Mengstraße
Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren, und sein Roman Buddenbrooks spielt in der Stadt. Das Buddenbrookhaus in der Mengstraße ist diesem Werk gewidmet und zeigt Ausstellungen zum Schriftsteller und zu seiner Familie. Wer den Roman gelesen hat, erkennt in den Straßen die Schauplätze wieder, und das macht den Rundgang persönlicher. Die Ausstellung eignet sich gut für einen Regentag, weil Sie Zeit im Trockenen verbringen können. Vor dem Besuch lohnt sich ein Blick auf die Website des Museums, denn Eintrittspreise und Öffnungszeiten ändern sich gelegentlich. Gerade im November ist es hier deutlich ruhiger als in der Hauptsaison.
Marzipan, Salzstraße und Labskaus
Die Altstadt verdankt ihren Wohlstand dem Handel. Über die Alte Salzstraße gelangte Salz aus Lüneburg nach Lübeck, und die Stadt verteilte es weiter an die Ostsee. Diese Handelsachse machte Lübeck im Mittelalter zu einer der reichsten Städte Nordeuropas und zur führenden Stadt des Hansebundes. Die Kaufmannshäuser mit ihren Giebeln und tiefen Kellern zeugen bis heute davon. Wer sich für diese Zeit interessiert, findet in den Museen viele Hinweise auf den Salzhandel und das Leben der Kaufleute. Auf diesem Hintergrund wirkt auch das Marzipan, für das Lübeck bekannt ist, weniger wie ein Souvenir und mehr wie Teil einer langen Tradition.
Die Traditionskonditorei Niederegger betreibt seit dem frühen 19. Jahrhundert ein Geschäft in der Breiten Straße. Dort können Sie Marzipan in vielen Varianten probieren, vom Klassiker bis zu Schokoladenüberzügen. Für ein deftiges Mittagessen eignet sich Labskaus, ein norddeutscher Eintopf aus gepökeltem Rindfleisch, Kartoffeln und Roter Bete, der traditionell mit Spiegelei und Rollmops serviert wird. Viele Lokale in der Altstadt bieten diese Gerichte an, doch die Qualität schwankt, deshalb lohnt sich ein Blick in aktuelle Bewertungen. Nicht jeder Besuch wird ein Erfolg, und das gehört dazu: Wer Strandwetter erwartet, wird an der Lübecker Bucht im November enttäuscht.
Ausflug nach Travemünde: Ostsee ohne Sommerpublikum
Travemünde liegt am Ende der Trave und ist mit dem Bus gut erreichbar, sodass Sie den Ausflug ohne Auto planen können. Im Sommer ist der Strand dicht besetzt, im November gehört er dagegen fast ganz den Spaziergängern und Möwen. Der Leuchtturm und der Hafen bieten einen klaren Blick auf die Ostsee, und an windstillen Tagen lohnt sich ein langer Weg am Wasser entlang. Wer wärmer sitzen möchte, findet in den Strandrestaurants Fischgerichte und Kaffee mit Blick aufs Meer. Der Wind kann allerdings kräftig sein, deshalb richten Sie die Route nach dem Wetterbericht aus. Planen Sie für Travemünde einen halben Tag ein, damit Sie nicht unter Zeitdruck zurück zum Bahnhof müssen.
Der Weg vom Strand zum Leuchtturm ist eben und gut begehbar, auch mit Kinderwagen. Im Herbst stehen viele Strandkörbe verpackt oder bereits eingelagert auf dem Sand, was das Bild der Küste noch karger wirkt. Gerade diese Leere hat ihren Reiz, weil Sie das Meer ohne Gedränge erleben. Wer frische Luft mag, sollte die Schuhe wasserfest wählen, denn der Sand ist bei Regen schnell schwer.
Licht und Fotografie im November
Wer fotografieren möchte, profitiert im November vom weichen Licht. Die Sonne steht tief, und die Backsteinfassaden reflektieren sie warm, sodass Ziegeltöne lebendiger wirken als an hellen Sommertagen. Ein Stativ ist in der Dämmerung hilfreich, denn die Belichtungszeiten werden lang. Besonders eindrucksvoll wirkt das Holstentor kurz vor Sonnenuntergang, wenn die Türme sich gegen den Himmel abheben. Am Wasser der Trave lohnt sich ein Blick auf Spiegelungen, sofern kein Wind weht. Vermeiden Sie Fotos mit starkem Gegenlicht auf Kirchenfenstern, weil die Innenbelichtung dann schwer zu bändigen ist. Planen Sie für die Fotografie eine Stunde vor Sonnenuntergang ein, dann bleibt die Altstadt noch hell genug für Details.
Praktische Tipps für den November
Der November bringt typische Herbsttage mit Wind, Nieselregen und Tageshöchstwerten um 7 bis 9 Grad, ein Richtwert, den Sie bei Ihrer Packliste berücksichtigen sollten. Die Sonne geht Mitte November gegen 16:30 Uhr unter, deshalb besuchen Sie Museen und Kirchen am besten am Vormittag und planen den späten Nachmittag für Cafés ein. Ende November startet in der Regel der Weihnachtsmarkt, sodass Sie je nach Termin schon Glühwein finden. Wer Ruhe sucht, kommt besser in der ersten Novemberhälfte. Die Preise für Eintritte, Museen und Touren sollten Sie unmittelbar vor der Reise auf den offiziellen Seiten der Anbieter prüfen, weil Angaben im Netz oft verzögert aktualisiert werden. Als Faustregel gilt: lieber einen Tag mehr einplanen als zu wenig, denn Lübeck belohnt den langsamen Blick.
- Anreise: Den aktuellen Preis des Deutschlandtickets auf bahn.de prüfen, bevor Sie buchen.
- Kleidung: Winddichte Jacke und feste Schuhe mitnehmen, denn das Kopfsteinpflaster wird im Regen rutschig.
- Museen: Öffnungszeiten und Eintrittspreise direkt beim Haus prüfen.
- Zeitplan: Museen am Vormittag, Altstadtgassen am späten Nachmittag, wenn es dämmert.
Packen Sie eine Mütze ein, fahren Sie am frühen Vormittag los und stehen Sie um halb neun vor dem Holstentor, wenn die Gassen noch leer sind. Danach haben Sie den ganzen Tag Zeit für Marzipan, Kirchen und einen Spaziergang an der Trave.