Tessin

Tessin im Oktober: Kastanienfeste, Grotti und freie Fahrt mit dem Ticino Ticket

Ab dem 9. Oktober wird im Tessin gerostet und gefeiert: Kastanienfeste in Locarno, Ascona und Castel San Pietro, dazu ein Monat Programm im Verzascatal. Was der Oktober an Regen bringt, was Grotti bieten und was das Ticino Ticket Übernachtungsgästen abdeckt.

Tessin im Oktober: Kastanienfeste, Grotti und freie Fahrt mit dem Ticino Ticket

Am Samstag, 10. Oktober, verwandelt sich die Seepromenade von Ascona in einen Röstplatz: Die „Maronatt“, wie die Kastanienröster im Tessiner Dialekt heißen, stellen ihre Feuer an der Piazza Motta auf, und das Albergo Carcani, das direkt am Platz liegt, spricht von rund zwei Tonnen Kastanien, die an diesem Tag über offenem Feuer landen. Der Eintritt ist frei, bezahlt werden nur Kastanien und Essen, und der Betrieb beginnt laut dem Hotel um 10 Uhr. Ascona ist dabei nur das bekannteste von mehreren Festen, die zwischen dem 9. Oktober und dem 7. November rund um den Lago Maggiore stattfinden, und das Verzascatal füllt zusätzlich den ganzen Monat mit einem eigenen Programm. Von Zürich aus braucht der Zug nach Lugano 1 Stunde 53 Minuten, und wer in einem Partnerbetrieb übernachtet, fährt vor Ort mit dem Ticino Ticket kostenlos im öffentlichen Verkehr. Einen Haken gibt es allerdings gleich zu Beginn: Der Oktober gehört in Locarno zu den regenreichsten Monaten des Jahres, und mehrere der kleineren Feste fallen bei schlechtem Wetter aus.

Kastanienfeste von Locarno bis Castel San Pietro: die Termine ab dem 9. Oktober

Ticino Turismo führt die Feste am Lago Maggiore in einer gemeinsamen Liste, die bis zum 7. November reicht, und für die nächsten Tage sieht sie so aus:

  • Freitag, 9. Oktober: Kastanienfest im Bezirk Rusca und Saleggi, Parco della Pace in Locarno, 15 bis 18 Uhr.
  • Samstag, 10. Oktober: das traditionelle Kastanienfest in Ascona, außerdem um 15 Uhr in der Kastanienselva von Gerra Verzasca eine Märchenstunde für Familien rund um den Däumling, danach Kuchen und Kastanien aus dem Feuer.
  • Sonntag, 11. Oktober: die 47. Ausgabe des Kastanienfests Muggiotal in Castel San Pietro (10 bis 17 Uhr), das Herbstfest in Brissago (11 bis 16 Uhr, Piazza Municipio), die Castagnata in Vogorno, der Herbstmarkt auf der Piazza Sant’Antonio in Locarno und kleinere Feste wie die Fescta di Castegn in Vairano.

Unsere Empfehlung für Ascona: Seien Sie um 10 Uhr da oder lassen Sie es. Das Hotel an der Piazza rät selbst zu einem frühen Besuch, weil es ab dem Mittag auf der Promenade sehr voll wird und die Schlangen vor den Röstern lang werden können. Ein regionaler Kastanienratgeber bezeichnet die großen Feste in Ascona und Locarno als eindrücklich, aber voll. Wer das Gedränge meiden möchte, weicht auf den Sonntag aus, zum Beispiel nach Brissago oder in den Süden des Kantons nach Castel San Pietro. Dort wird das Fest nach Angaben von Ticino Turismo von lokalen Vereinen und Freiwilligen getragen, und neben gerösteten Kastanien stehen Marmeladen, Süßes, Tessiner Gerichte und Volksmusik auf dem Programm. Castel San Pietro liegt im Mendrisiotto an der Südspitze des Kantons, Brissago dagegen am Lago Maggiore, weshalb sich die beiden Feste an einem Sonntag nicht sinnvoll verbinden lassen.

Mès der castégna: ein Monat Kastanien im Verzascatal

Das Verzascatal, bekannt für das klare Wasser seines Flusses und die steinerne Ponte dei Salti in Lavertezzo, hat den Oktober zum „Mès der castégna“ erklärt, zum Kastanienmonat. Ascona-Locarno Tourismus zählt zwölf Veranstaltungen in den Dörfern des Tals, vom Fest über den Spaziergang bis zum Wein- und Gastronomieabend, und die Fondazione Verzasca stellt das vollständige Programm auch auf Deutsch als Flyer bereit. Für Reisende mit wenig Zeit lohnt sich vor allem der Block ab Mitte Oktober:

  • 14. Oktober, 14 Uhr: Kastaniensammeln in den Wäldern von Brione Verzasca, Treffpunkt am Parkplatz Piee, zum Abschluss gibt es Kuchen und Kastanien aus dem Feuer.
  • 17. Oktober: Auf den Monti di Cortoi bei Mergoscia beginnt um 9.30 Uhr der Ausflug durch den Kastanienhain mit Ernte und Besuch der grà, des traditionellen Dörrhauses. Die Suppe um 13 Uhr und das Abendessen um 19 Uhr gibt es nur mit Reservierung, und im Campo Cortoi kann man auch übernachten.
  • 18. Oktober: In Lavertezzo startet um 9.30 Uhr die Genusswanderung „Güstemm er Verzasca“, rund vier Kilometer mit elf Stationen zum Essen und Trinken, Anmeldung online seit dem 2. September. Um 14 Uhr folgt im Dorf Gordemo eine Castagnata mit Blick auf den Lago Maggiore.
  • 22. und 29. Oktober, 18.30 Uhr: „Divin castagne“ in der Osteria Corippo, ein Menü rund um die Kastanie mit Weinen und Bieren der Region, CHF 100 pro Person, höchstens 25 Gäste.
  • 25. Oktober, 9 bis 13 Uhr: Herbstbrunch mit süßen und herzhaften Kastanienprodukten im Castello Marcacci in Brione Verzasca, CHF 15 für Erwachsene, Kinder von 6 bis 12 Jahren zahlen CHF 8, jüngere nichts.

Auf dem Menü in Corippo stehen unter anderem ein Kastanien-Cappuccino, Ricotta-Gnocchi mit Kastanienmehl, Hirsch „à la royale“ mit geräucherten Kastanien und ein Semifreddo mit Myrtenlikör-Zabaglione. Zu jedem Gang wird ein Wein oder ein Bier samt der dazugehörigen Kellerei oder Brauerei vorgestellt. Wir halten diesen Abend für die bessere Wahl als das Essen auf dem Festplatz, wenn Sie sitzen, in Ruhe probieren und die Getränke erklärt bekommen möchten.

Mild, aber nass: was der Oktober im Tessin bringt

Nach den Klimanormwerten 1991 bis 2020 der Station Locarno-Monti liegen die Tageshöchstwerte im Oktober im Mittel bei 16,6 °C, nachts sinkt das Thermometer auf durchschnittlich 10,2 °C, und die Sonne scheint 152 Stunden, im September sind es noch 196, im November nur 109. Dafür fallen im Oktober im Schnitt rund 207 Millimeter Regen, womit er nach dem August (rund 211 Millimeter) der zweitnasseste Monat des Jahres ist. Das ist die Kehrseite der Kastanienzeit: Die Feste finden draußen statt, und die Veranstalter im Verzascatal schreiben bei mehreren Terminen ausdrücklich dazu, dass sie bei schlechtem Wetter ausfallen, etwa in Vogorno, Brione Verzasca und Gordemo, während die Märchenstunde in Gerra Verzasca in den Gemeindesaal ausweicht. Rechnen Sie deshalb mit einem Ausweichtag, und buchen Sie eine Unterkunft mit flexibler Stornierung. Auf den Kastanienwegen sind feste Schuhe mit Profil die bessere Wahl als Sneaker, weil das Laub nach Regen glitschig wird. Die Zahlen sind Langzeitmittel, einzelne Oktobertage fallen deutlich wärmer oder kälter aus, und in den höher gelegenen Seitentälern ist es spürbar kühler als in Locarno.

Ticino Ticket: kostenlos, aber nicht für jeden

Das Ticino Ticket ist gratis, lässt sich aber nicht kaufen.

Es richtet sich an Übernachtungsgäste ab sechs Jahren in Hotels, Herbergen und auf Campingplätzen, die zu den mehr als 500 Partnerbetrieben gehören. Strukturierte Ferienwohnungen können es gegen einen Zuschlag von CHF 2.20 pro Nacht und Person ab 14 Jahren anbieten, fragen Sie also vor der Buchung nach. Wer das Ticket hat, fährt zwischen Chiasso und Airolo kostenlos mit Zug und Bus, auch in die abgelegenen Täler. Ob die Buslinie zu Ihrem Festtermin am Sonntag fährt, prüfen Sie am besten vorab im Fahrplan. Gültig ist es ab dem Einchecken und bis Mitternacht am Abreisetag, die Anreise aus Zürich, Basel oder Deutschland deckt es deshalb nicht ab, und über die Grenze nach Italien reicht es ebenfalls nicht. Auf dem Wasser gilt: Die Schifflinie 351 zwischen Locarno, Tenero und Magadino ist frei, auf den übrigen Kursen im Schweizer Teil des Lago Maggiore und auf dem Lago di Lugano gibt es 20 Prozent Ermäßigung, allerdings nur auf die Tageskarte für Erwachsene. Fahrräder sind nicht inbegriffen, Hunde fahren gratis mit, und die erste Klasse gibt es nur mit einem Klassenwechselbillett. Auf den PostAuto-Linien von Airolo zum Gotthardpass und nach All’Acqua Richtung Nufenenpass zahlen Erwachsene ab 16 Jahren für das Einzelbillett den halben Preis, mit dem Halbtax lässt sich das nicht kombinieren.

Dazu kommt ein Gutschein von CHF 10 bei einem Einkauf ab CHF 70 in den Filialen von Migros Ticino, den es laut ticino.ch nur mit dem Ticket gibt. Wer mehrere Feste an einem Wochenende verbinden will, fährt mit dem Ticket entspannter, weil niemand zwischen den Orten einen Parkplatz suchen muss und das Glas Merlot keine Gewissensfrage wird. Wir empfehlen deshalb, die Unterkunft zuerst auf der Partnerliste von Ticino Turismo zu suchen, bevor Sie eine Privatwohnung ohne Ticket buchen.

Grotti und Merlot: was im Herbst auf den Tisch kommt

Ein Grotto war ursprünglich ein natürlicher Felskeller, in dem Familien Wurst, Käse und Wein kühl lagerten; Ticino Turismo nennt sie die Kühlschränke der Großeltern. Heute sind daraus Lokale geworden, in denen man an Tischen und Bänken aus Granit unter jahrhundertealten Laubbäumen isst, und auf der Karte stehen Wurstwaren, Minestrone, Kutteln, Risotto, Polenta mit Schmorbraten und Käse. Die meisten Grotti sind von April bis Ende Oktober geöffnet, viele nur in den Sommermonaten, sodass der Oktober für viele die letzte Gelegenheit des Jahres ist. Rufen Sie deshalb vor dem Besuch an. Bestellen Sie Polenta mit Brasato, dem langsam geschmorten Fleisch, und verzichten Sie auf die Pasta, die es überall gibt.

Der Wein dazu stammt fast immer von derselben Rebsorte. Der Kanton zählt rund 1.100 Hektar Reben, etwa 80 Prozent davon sind mit Merlot bestockt, und das entspricht rund 7,5 Prozent der Schweizer Rebfläche. Seit den späten 1980er-Jahren keltern Tessiner Winzer den Merlot auch weiß, indem sie die Beeren sanft pressen und den Most sofort von den Schalen trennen; ein Weinhändler aus Minusio und Losone empfiehlt den Merlot bianco gekühlt auf 8 bis 10 Grad zu Süßwasserfisch und Ziegenfrischkäse. Die Lese beginnt nach demselben Händler zwischen Ende August und Anfang September und dauert bei den großen Reserven bis in die erste Oktoberhälfte; wer jetzt kommt, kann bei den späten Reserven noch auf die letzten Erntetage treffen. Roter Merlot ist außerdem nicht gleich roter Merlot: Im Sopraceneri nördlich des Monte Ceneri dominieren granitische und sandige Böden, die frischere, mineralischere Weine ergeben, im Sottoceneri sorgen kalkig-lehmige Böden für mehr Körper und Tannin.

Anreise: knapp zwei Stunden ab Zürich

Von Zürich HB nach Lugano sind es 1 Stunde 53 Minuten, rund 50 Minuten weniger als 2015, wie die SBB schreiben, und seit dem Herbst 2024 verkehrt auf der Nord-Süd-Achse in beide Richtungen ein Zug alle 30 Minuten. Wer mehr Zeit mitbringt, macht den Weg selbst zum Programm: Der Gotthard Panorama Express verbindet Luzern per Schiff mit Flüelen und fährt von dort über die historische Bergstrecke von 1882 und Bellinzona nach Lugano. Er verkehrt täglich bis einschließlich Sonntag, 18. Oktober 2026, und die Reservierung ist obligatorisch.

Am schnellsten laufen die Anmeldefristen ab. Für den Herbstbrunch im Castello Marcacci am 25. Oktober müssen Sie sich spätestens fünf Tage vorher anmelden, also bis zum 20. Oktober, und es gibt nur 30 Plätze. Die beiden Abende in Corippo verlangen die Anmeldung bis zum 17. beziehungsweise 24. Oktober bei höchstens 25 Gästen, und für Suppe und Abendessen auf den Monti di Cortoi am 17. Oktober ist eine Reservierung ohnehin Pflicht.