Kurz nach sieben Uhr morgens liegt über Domme noch ein feiner Dunst, und von der Terrasse an der Kirche aus sehen Sie die Dordogne wie ein silbernes Band durch die Ebene ziehen, während unten in La Roque-Gageac die ersten Kanus vom Ufer abstoßen. Vor sechs Wochen wäre das kaum möglich gewesen: Im Hochsommer stauen sich hier Reisebusse aus Bordeaux und Toulouse, und für einen Tisch in Sarlat-la-Canéda braucht man abends Geduld oder eine Reservierung Tage im Voraus. Ende September ist von diesem Andrang wenig übrig, die Walnüsse hängen schwer an den Bäumen zwischen Sarlat und Les Eyzies, und genau das macht den Périgord Noir, den waldreichen, nach seinen dunklen Steineichen benannten Südteil des Périgord, zu einer der ehrlicheren Reisezeiten in Südwestfrankreich — vorausgesetzt, Sie wissen, welche Anbieter zum Monatsende bereits schließen.
Warum der September dem August überlegen ist
Die Lufttemperatur liegt tagsüber meist zwischen 20 und 24 Grad, nachts kühlt es auf 10 bis 13 Grad ab, und Regenschauer sind zwar möglich, dauern aber selten länger als einen halben Tag. Das Wasser der Dordogne führt nach dem Sommer noch genug Pegel für eine Kanutour, ist aber deutlich ruhiger als im Juli, wenn ganze Familien aus dem Rhône-Tal und aus Deutschland die Flussabschnitte zwischen Vitrac und Beynac regelrecht verstopfen. Zimmerpreise in Sarlat fallen gegenüber August spürbar: Ein Doppelzimmer in einer soliden Chambre d'hôtes kostet außerhalb der Ferienzeit oft 15 bis 25 Euro weniger pro Nacht, und selbst die einfacheren Gîtes rund um Les Eyzies haben ab Mitte September wieder freie Termine, ohne dass man Monate vorher buchen müsste. Was viele Reisende unterschätzen: Der September ist zugleich der Beginn der Walnussernte, die dem Périgord seit Jahrhunderten einen Teil seiner Identität gibt — die Noix du Périgord trägt seit 2002 ein geschütztes Herkunftssiegel (AOC), und wer durch die Dörfer fährt, sieht die charakteristischen Netze unter den Bäumen bereits gespannt.
Sarlat-la-Canéda: Markttag und Gassensuche
Die Altstadt von Sarlat verdankt ihr fast unversehrtes Erscheinungsbild einer Laune der Geschichte: Weil die Stadt im 19. Jahrhundert wirtschaftlich zurückfiel, wurde kaum neu gebaut, und in den 1960er-Jahren machte André Malraux sie zu einer der ersten Pilotstädte seines Denkmalschutzgesetzes. Das Ergebnis sind honigfarbene Kalksteinfassaden, schiefergedeckte Türme und enge Gassen, die sich um die Kathedrale Saint-Sacerdos winden, ohne dass ein einziges modernes Gebäude den Blick stört. Samstagvormittags verwandelt sich praktisch die gesamte Altstadt in einen Markt, der seit dem Mittelalter Tradition hat: Stände mit Walnussöl, Entenconfit, Cèpes-Pilzen und dem kräftigen Käse Cabécou reihen sich über mehrere Straßenzüge, und wer gegen neun Uhr ankommt statt gegen elf, hat die besten Stände noch für sich. Ein kleinerer, mehr auf Bio-Produkte ausgerichteter Markt findet mittwochs statt, deutlich ruhiger und besser geeignet, wenn Sie in Ruhe mit den Händlern sprechen wollen. Wir empfehlen, den Samstag trotz des Andrangs nicht zu meiden — im September ist er ohnehin nur noch halb so voll wie im Juli, und die Atmosphäre auf der Place de la Liberté, wenn die Kirchturmglocke schlägt und der Enten-Geruch aus den Confit-Ständen über den Platz zieht, gehört zu den Dingen, die man sich in dieser Gegend nicht entgehen lassen sollte.
Die Dörfer am Fluss: Beynac, La Roque-Gageac und Domme
Genau das ist der Kontrast, der den Périgord Noir ausmacht.
Fünfzehn Autominuten südwestlich von Sarlat thront die Burg von Beynac-et-Cazenac auf einer Klippe fast 150 Meter über dem Fluss, seit dem 12. Jahrhundert nahezu unverändert und deshalb regelmäßig als Filmkulisse genutzt, unter anderem für "Chocolat" und mehrere Jeanne-d'Arc-Verfilmungen. Der Eintritt liegt bei rund 9,50 Euro, die schmalen Wendeltreppen sind nichts für Menschen mit Höhenangst, aber der Blick von der Wehrmauer über das Flusstal rechtfertigt jede Stufe. Auf der gegenüberliegenden Talseite liegt Castelnaud-la-Chapelle mit einer zweiten, ebenso imposanten Burg, die heute ein Museum zur mittelalterlichen Kriegsführung beherbergt (Eintritt etwa 11,90 Euro) — und die beiden Burgen blickten sich im Hundertjährigen Krieg tatsächlich als verfeindete Stützpunkte an, was den Ausflug zu mehr macht als nur einer weiteren Fotostation. La Roque-Gageac, direkt am Flussufer in den Fels gebaut, gehört zu den offiziell schönsten Dörfern Frankreichs und besitzt dank seiner geschützten, sonnenexponierten Lage ein Mikroklima, in dem Palmen, Bananenstauden und sogar Feigenkakteen wachsen — im September, wenn die Reisegruppen fehlen, hört man in den Gassen tatsächlich die Ziegen meckern, die zwischen den Häusern am Hang grasen. Domme, hoch über dem Tal auf einem Felssporn gelegen, wurde 1281 von Philipp III. als befestigte Bastide gegründet; unter der Markthalle verbirgt sich eine Tropfsteinhöhle, die im Zweiten Weltkrieg Widerstandskämpfern als Zuflucht diente und heute für rund 8,50 Euro besichtigt werden kann.
Prähistorie: Lascaux IV und das echte Font-de-Gaume
Wer glaubt, in Lascaux die Originalhöhle zu betreten, irrt sich, und das ist gut so: Die echten Höhlenmalereien wurden bereits 1963 für die Öffentlichkeit gesperrt, weil Atemluft und Licht die 17.000 Jahre alten Pigmente angriffen. Lascaux IV, offiziell Centre International de l'Art Pariétal, eröffnete 2016 in Montignac und zeigt die komplette Höhle als originalgetreue Nachbildung samt Digitalinstallationen; der Eintritt liegt bei etwa 21 Euro, und wer im September ohne Vorreservierung anreist, bekommt meist noch am selben Tag ein Zeitfenster, anders als im Juli, wenn Tickets oft schon Tage im Voraus vergriffen sind. Wer den Nervenkitzel des Originals sucht, muss nach Les Eyzies-de-Tayac, das sich selbstbewusst "Hauptstadt der Vorgeschichte" nennt und dessen Musée national de Préhistoire mit seiner Sichtbeton-Architektur über dem Dorf schwebt (Eintritt rund 6 Euro, für EU-Bürger unter 26 Jahren kostenlos). Über das Dorf hinaus, nur wenige Kilometer entfernt, liegt Font-de-Gaume, eine der letzten Höhlen Europas mit echten, für Besucher zugänglichen Original-Bisonmalereien — allerdings werden pro Tag nur 52 Besucher zugelassen, weshalb eine Reservierung Wochen im Voraus praktisch Pflicht ist. Es ist ein Aufwand, der sich lohnt: Vor einem 15.000 Jahre alten Bison zu stehen, dessen Umriss die natürliche Wölbung des Felsens ausnutzt, fühlt sich anders an als jede noch so gelungene Nachbildung.
Kanu auf der Dordogne, solange die Saison noch läuft
Mehrere Verleiher zwischen Vitrac und La Roque-Gageac, etwa Randonnée Dordogne oder Canoës Loisirs, bieten bis Ende September oder Anfang Oktober Strecken zwischen acht und einundzwanzig Kilometern an, meist mit Rückholshuttle im Preis inbegriffen. Die klassische Route von Vitrac nach La Roque-Gageac dauert rund zwei Stunden und kostet pro Person etwa 20 Euro, wer die volle Strecke bis Beynac oder Castelnaud paddeln will, zahlt eher 25 bis 27 Euro und sollte einen halben Tag einplanen. Nehmen Sie die längere Strecke, wenn das Wetter mitspielt — die kürzere Version zeigt nur einen Bruchteil der Burgenkulisse, und im September ist der Fluss ruhig genug, dass auch ungeübte Paddler keine Probleme bekommen. Ärgerlich nur: Einige der kleineren Verleihstationen stellen ihren Betrieb bereits Ende September ein, sobald die Wassertemperatur unter etwa 16 Grad fällt, weshalb sich ein Anruf am Vortag lohnt, statt sich auf die Webseite von Juni zu verlassen.
Walnussernte erleben, nicht nur Walnüsse kaufen
Zwischen Ende September und Ende Oktober klopfen Erzeuger im ganzen Périgord Noir noch immer mit langen Stangen die Bäume ab, auch wenn moderne Rüttelmaschinen die Handarbeit vielerorts ersetzt haben. Der Moulin de la Tour bei Sainte-Nathalène, keine zehn Autominuten von Sarlat entfernt, presst Walnussöl seit dem 16. Jahrhundert nach demselben Verfahren und öffnet seine Mühle für Besichtigungen; der Eintritt liegt bei etwa 4,50 Euro, und am Ende der Führung können Sie das frisch gepresste Öl direkt vor Ort kaufen, für rund 9 bis 11 Euro die 250-Milliliter-Flasche. Es schmeckt kräftiger und weniger bitter als das abgepackte Öl aus dem Supermarkt, ein Unterschied, den man erst bemerkt, wenn man beide nebeneinander probiert hat.
Anreise und was Sie vorher wissen sollten
Von Paris aus fährt der TGV in gut zwei Stunden nach Bordeaux, von dort bringt Sie der TER der Region Nouvelle-Aquitaine in etwa zwei weiteren Stunden nach Sarlat, mit Umstieg in Libourne oder Bergerac je nach Verbindung. Eine direkte Alternative bietet der Intercités-Zug ab Paris-Austerlitz über Souillac, der allerdings nur wenige Male pro Woche verkehrt und knapp fünf Stunden braucht. Wer aus Großbritannien anreist, findet ab dem kleinen Flughafen Bergerac-Dordogne-Périgord saisonale Ryanair-Verbindungen, unter anderem ab Bristol, London Stansted und East Midlands. Ganz ohne Auto kommt man in den Dörfern entlang der Dordogne allerdings kaum zurecht, da die Busverbindungen zwischen den einzelnen Orten spärlich und auf den Schulverkehr ausgerichtet sind — ein Mietwagen ab Bordeaux oder Bergerac ist praktisch unumgänglich, wenn Sie mehr als Sarlat selbst sehen wollen. Rechnen Sie außerdem damit, dass einige Restaurants in den kleineren Dörfern ab Ende September nur noch an vier statt sieben Tagen die Woche öffnen, und dass die Sonne bereits gegen 19.30 Uhr untergeht, was die Zeit für späte Kanutouren spürbar verkürzt.
Was bleibt, wenn Sie abends auf der Terrasse eines Restaurants in Sarlat sitzen und der Geruch von gebratenem Entenconfit aus der Küche zieht, während die Fensterläden ringsum langsam geschlossen werden, ist ein Périgord, das sich selbst gehört und nicht den Bussen aus dem Juli — mit dem leisen Knacken von Walnussschalen unter den Schuhen auf dem Kopfsteinpflaster als einzigem Hintergrundgeräusch.