Valletta

Malta im September: Valletta, stille Buchten und die letzten warmen Tage

Malta im September: warmes Meer, leere Gassen in Valletta und ein Ausflug nach Gozo, solange die Reisegruppen noch woanders sind.

Malta im September: Valletta, stille Buchten und die letzten warmen Tage

Um halb neun morgens hat die Sonne über dem Grand Harbour schon die Kraft, die sie im Juli erst gegen Mittag erreicht – nur eben ohne die Reisebusse, die im Hochsommer bereits vor den Stadttoren von Valletta Schlange stehen. Wer im September nach Malta fliegt, findet eine Insel vor, die sich gerade erst entspannt: die Schulferien sind vorbei, die Kreuzfahrtschiffe legen seltener an, und das Meer hat noch die Temperatur eines guten Augusttages. Genau dieser Übergang macht den Monat zum eigentlichen Geheimtipp – nicht der Hochsommer, den die Reiseportale so gerne bewerben.

Warum der September der ehrlichste Monat für Malta ist

Das Mittelmeer kühlt sich mit Verzögerung ab. Während die Lufttemperatur im September bereits spürbar milder wird – tagsüber liegen die Werte meist zwischen 27 und 30 Grad, abends kühlt es auf angenehme 22 bis 24 Grad ab –, erreicht das Wasser rund um Malta oft erst Anfang bis Mitte des Monats seinen Jahreshöchstwert von 25 bis 26 Grad. Sie baden also in wärmerem Wasser als im Juni, aber ohne die Julihitze, die viele Ausflüge nach Mdina oder in die Dingli Cliffs zur Qual macht. Dazu kommt: Die maltesischen Schulen starten Mitte September, was Familien aus dem Straßenbild verschwinden lässt, und die großen nordeuropäischen Reisegruppen konzentrieren sich weiterhin auf Juli und August.

Ganz verschwunden sind die Touristen freilich nicht – Malta ist zu klein und zu bekannt, um im September leer zu sein. Aber der Unterschied ist spürbar: Wer im Hochsommer eine Stunde vor der Kathedrale von Valletta angestanden hat, steht im September vielleicht zehn Minuten. Restauranttische in Sliema oder Valletta lassen sich meist noch spontan bekommen, ohne Reservierung drei Tage im Voraus. Und die Hotelpreise? Die fallen ab Anfang September spürbar, oft um zwanzig bis dreißig Prozent gegenüber der Augustspitze – ein Doppelzimmer in einem guten Mittelklassehotel in Sliema oder St. Julian's kostet dann häufig zwischen 90 und 130 Euro pro Nacht statt 150 Euro und mehr im Hochsommer.

Valletta ohne die Menschenmassen

Valletta ist eine der wenigen europäischen Hauptstädte, die komplett zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, und im September lässt sich das endlich in Ruhe erleben. Die Republic Street, die Hauptachse der Stadt, ist im August so voll, dass man kaum aus dem Strom der Fußgänger heraustritt. Zwei Monate später schlendern Sie an denselben Kalksteinfassaden vorbei und hören tatsächlich die eigenen Schritte auf dem Pflaster.

St. John's Co-Cathedral und der Caravaggio

Der Pflichtpunkt bleibt die St. John's Co-Cathedral mit ihrem gewaltig verzierten Innenraum und Caravaggios "Die Enthauptung des Heiligen Johannes" – das einzige signierte Werk des Malers überhaupt. Der Eintritt liegt bei etwa 15 Euro, ein Audioguide ist im Preis enthalten. Buchen Sie das Ticket vorab online, denn die Kathedrale begrenzt die Besucherzahl pro Zeitfenster, und im September ist das noch entspannt zu bekommen – anders als im Juli, wenn Slots teils schon Tage vorher ausverkauft sind.

Die Upper Barrakka Gardens dagegen kosten nichts und bieten den besten Blick über den Grand Harbour bis hinüber nach Birgu und Senglea. Gehen Sie kurz vor zwölf Uhr mittags hin: Dann feuert die Saluting Battery ihre traditionelle Mittagssalve ab, ein kleines, lautes Ritual, das seit Jahrzehnten Touristen und Einheimische gleichermaßen zusammenbringt.

Gozo: die kleine Schwester, die man nicht überspringen sollte

Wer nur Valletta besucht, sieht die falsche Hälfte von Malta.

Gozo liegt eine Fährfahrt entfernt – vom Hafen Ćirkewwa im Norden der Hauptinsel bis nach Mġarr dauert die Überfahrt etwa 25 Minuten, ein Fußgängerticket kostet rund 4,65 Euro für die Hin- und Rückfahrt zusammen (die Fahrt nach Gozo selbst ist gratis, bezahlt wird nur die Rückrichtung). Die Insel ist deutlich ruhiger, ländlicher, und wirkt fast wie Malta vor dreißig Jahren. In Dwejra Bay stand bis 2017 das berühmte Azure Window, ein natürliches Felsentor, das bei einem Wintersturm eingestürzt ist – ein Detail, das viele erst vor Ort erfahren und das die Fotos aus älteren Reiseführern schlagartig veraltet aussehen lässt. Was geblieben ist, ist der Inland Sea direkt daneben, eine fast geschlossene Lagune, in der kleine Boote für wenige Euro Ausflüge zu den Meereshöhlen anbieten.

Die Basilika Ta' Pinu, eines der wichtigsten Marienwallfahrtsorte des Mittelmeerraums, lohnt einen Abstecher schon wegen der Stille im Inneren – ein Kontrast zum quirligen Treiben in Victoria, der gozitanischen Hauptstadt, deren Zitadelle sich in etwa zwei Stunden bequem erwandern lässt. Ein Tagesausflug reicht für die Highlights, aber wer zwei Nächte einplant, bekommt Gozo im Abendlicht zu sehen, wenn die Tagesausflügler mit der letzten Fähre zurück nach Malta sind.

Baden im September: welche Buchten sich wirklich lohnen

Nicht jede berühmte Bucht Maltas hält, was die Instagram-Fotos versprechen. Die Blue Lagoon zwischen Comino und Cominotto sieht auf jedem Foto türkisfarben und einsam aus – tatsächlich ist sie auch im September ab zehn Uhr morgens von Ausflugsbooten belagert, die stündlich neue Ladungen Tagestouristen abliefern. Wer dort baden will, sollte vor neun Uhr mit dem ersten Boot ab Cirkewwa oder Sliema anreisen oder gleich verzichten und eine der ruhigeren Alternativen wählen.

  • Golden Bay im Nordwesten: goldener Sandstrand, gute Infrastruktur mit Liegen und Bars, aber am Nachmittag windexponiert
  • St. Peter's Pool bei Marsaxlokk – ein natürliches Felsschwimmbecken, in das man von den Klippen springen kann; parken müssen Sie ein Stück entfernt und zu Fuß gehen, dafür bleibt es auch im September vergleichsweise leer
  • Mellieħa Bay, der längste Sandstrand der Insel und die beste Wahl für Familien mit Kindern, auch wenn er im Vergleich zu St. Peter's Pool architektonisch wenig hermacht
  • Ramla Bay auf Gozo, mit rötlichem Sand und Blick auf die Calypso-Höhle, die der Legende nach in Homers Odyssee vorkommt

Unsere Empfehlung für einen ruhigen Septembertag: St. Peter's Pool am frühen Vormittag, danach Mittagessen in Marsaxlokk, dem Fischerdorf mit den bunten Luzzu-Booten, wo freitags und sonntags ein bekannter Fischmarkt stattfindet. Ein Teller frisch gegrillter Lampuki – die maltesische Goldmakrele, die von August bis Dezember Saison hat – kostet dort in einem einfachen Restaurant direkt am Hafen selten mehr als 18 bis 22 Euro.

Anreise, Preise und die Sache mit dem Bus

Von Deutschland aus fliegen unter anderem Ryanair, Lufthansa und KM Malta Airlines – die Nachfolgegesellschaft der 2024 eingestellten Air Malta – direkt nach Malta International Airport, die Flugzeit liegt bei etwa zweieinhalb bis drei Stunden ab den großen deutschen Drehkreuzen. Wer flexibel bei den Reisedaten ist, findet Anfang September häufig noch Ticketpreise auf Hochsommerniveau, ab der zweiten Monatshälfte sinken sie meist spürbar, weil die deutsche Ferienzeit dann in den meisten Bundesländern vorbei ist.

Auf der Insel selbst lohnt sich fast immer der Verzicht auf einen Mietwagen. Der Straßenverkehr in Malta gilt zu Recht als chaotisch, Parkplätze in Valletta oder Sliema sind rar, und das öffentliche Busnetz – betrieben von Malta Public Transport unter der Marke Tallinja – deckt praktisch jeden Ort ab, den Reisende ansteuern wollen. Eine Einzelfahrt kostet zwei Euro, eine Sieben-Tage-Karte für Besucher liegt bei rund 25 Euro und rechnet sich schon nach wenigen Fahrten. Einziger Wermutstropfen: Auf den Hauptrouten zwischen Valletta, Sliema und den beliebten Buchten wird es zur Stoßzeit eng, und die Busse fahren nicht immer pünktlich nach Fahrplan – planen Sie an heißen Nachmittagen lieber zwanzig Minuten Puffer ein, statt knapp zu kalkulieren.

Wer eine Woche bleibt, sollte die Zeit realistisch aufteilen: drei Tage für Valletta, Mdina und die Südküste, zwei Tage für Gozo samt Übernachtung, und die restliche Zeit für die Buchten im Nordwesten. Kürzer lohnt sich kaum, länger wird auf einer Insel dieser Größe schnell repetitiv – es sei denn, Sie planen ohnehin, einfach nur am Wasser zu sitzen und das letzte warme Licht des Jahres zu genießen, bevor der Herbst auch im Mittelmeer ankommt.

Kleine Dinge, die den Alltag auf Malta leichter machen

Packen Sie trotz der warmen Tage einen leichten Pullover oder eine dünne Jacke ein. Sobald die Sonne untergeht, dreht der Wind oft merklich auf, besonders auf den erhöhten Terrassen von Valletta oder Mdina, und ein Abendessen im Freien wird ohne zweite Schicht schnell ungemütlich. Sonnenschutz bleibt trotzdem Pflicht: Die UV-Belastung ist im September kaum niedriger als im Juli, auch wenn sich die Luft milder anfühlt – ein Trugschluss, dem gerade Nordeuropäer regelmäßig aufsitzen.

Bargeld lohnt sich weiterhin, obwohl Malta bei Kartenzahlung inzwischen fast so unkompliziert ist wie Deutschland. In kleinen Dorfbars, an Fischständen in Marsaxlokk oder bei den Bootsverleihern in Gozo verlangen Betreiber gelegentlich noch Bar, gerade bei Beträgen unter zehn Euro. Und ein Wort zur maltesischen Gastfreundschaft: Restaurants schließen die Küche häufig zwischen fünfzehn und neunzehn Uhr, ein Relikt britischer und italienischer Einflüsse zugleich. Wer gegen sechzehn Uhr hungrig durch Valletta läuft, findet eher ein Café mit Pastizzi – den knusprigen, mit Ricotta oder Erbsenpüree gefüllten Blätterteigtaschen, die man für rund einen Euro pro Stück an praktisch jeder Straßenecke bekommt – als ein warmes Hauptgericht.