Wer im September nach Riga fliegt, landet in einer Stadt, die gerade den Sommertrubel ausatmet. Die Wassertemperatur im Rigaer Meerbusen liegt noch bei angenehmen 18 Grad, die Cafés am Kanal setzen ihre letzten Sonnenschirme raus, und man bekommt endlich wieder einen Tisch ohne Reservierung. Genau diese Mischung aus Restwärme und Ruhe macht Riga im September zu einem der besten Kurztrip-Ziele Nordeuropas – und zu einem der günstigsten, wenn man weiß, wo man spart. Während Tallinn und Vilnius längst als Geheimtipp verbraucht gelten, wirkt Riga noch immer wie eine Stadt, die sich selbst nicht so wichtig nimmt, obwohl sie architektonisch mit Wien mithalten kann.
Anreise: Was der Flug wirklich kostet
airBaltic fliegt Riga direkt aus Frankfurt, Berlin, Wien und Zürich an, und genau diese Airline entscheidet meistens über den Preis der gesamten Reise. Wer drei bis vier Wochen im Voraus bucht, zahlt für einen Hin- und Rückflug aus Deutschland zwischen 90 und 140 Euro, sofern man Dienstag oder Mittwoch fliegt statt Freitagabend. Ryanair bedient Riga zwar auch, allerdings nur von wenigen deutschen Flughäfen wie Memmingen und Weeze aus, und die Ersparnis gegenüber airBaltic liegt oft nur bei 15 bis 20 Euro – bei deutlich mehr Anfahrtszeit zum Flughafen. Unsere Empfehlung: airBaltic direkt ab einem großen Hub buchen, auch wenn der Ticketpreis auf den ersten Blick höher wirkt, weil die Zeitersparnis den Aufpreis fast immer rechtfertigt.
Vom Flughafen Riga (RIX) ins Zentrum fährt Bus 22 für 2 Euro in etwa 30 Minuten bis zur Altstadt; ein Taxi über die App Bolt kostet für dieselbe Strecke ungefähr 12 bis 15 Euro. Wer zu zweit oder zu dritt reist, sollte das Taxi nehmen – bei drei Fahrgästen wird der Bus nicht mehr günstiger.
Unterkunft: Altstadt versus Miera iela
Die Altstadt (Vecrīga) ist hübsch, aber laut, touristisch und bei Hotels entsprechend teuer – rechnen Sie hier mit 70 bis 100 Euro pro Nacht für ein solides Mittelklassehotel. Wer stattdessen im angesagten Viertel rund um die Miera iela wohnt, zehn Gehminuten nördlich vom Zentrum, zahlt für ein gepflegtes Boutique-Hotelzimmer eher 45 bis 65 Euro, und morgens wartet dort die beste Kaffeeszene der Stadt direkt vor der Haustür. Genau dieses Viertel ist unser klarer Favorit für ein Wochenende: kürzere Wege zu den wirklich guten Adressen, deutlich weniger Touristengruppen, spürbar mehr echtes Riga. Wer schon einmal versucht hat, in der Altstadt vor neun Uhr morgens einen ruhigen Kaffee zu finden, weiß, warum das einen echten Unterschied macht.
Ferienwohnungen über Airbnb liegen im September, außerhalb der Hochsaison, oft bei 35 bis 50 Euro pro Nacht für eine Ein-Zimmer-Wohnung mit Küche – eine Option, die sich vor allem lohnt, wenn man ohnehin plant, mindestens ein Frühstück oder Abendessen selbst zu kochen. Hostels wie das Naughty Squirrel in der Altstadt bieten Betten im Mehrbettzimmer schon ab 14 Euro, was für Alleinreisende mit knappem Budget die realistischste Option bleibt.
Essen: Zwischen Zentralmarkt und Fine Dining
Der Rigaer Zentralmarkt ersetzt an einem einzigen Vormittag drei geplante Restaurantbesuche.
Der Rigaer Zentralmarkt (Rīgas Centrāltirgus), untergebracht in vier ehemaligen Zeppelinhallen aus den 1930er-Jahren, ist Pflichtprogramm – nicht nur wegen der Architektur, sondern weil man hier für 3 bis 5 Euro ein vollwertiges Mittagessen mit geräuchertem Fisch, Schwarzbrot und lettischem Käse zusammenstellen kann. Das lettische Nationalgericht, grauer Erbseneintopf mit Speck (pelēkie zirņi ar speķi), gibt es in traditionellen Restaurants wie Lido für 6 bis 8 Euro als Hauptgericht, inklusive einer Portion, die für den ganzen Nachmittag satt macht.
Wer einen Abend mit gehobener Küche einplanen möchte, findet im 3 Pavāru Restorāns ein Sechs-Gänge-Menü für etwa 55 Euro pro Person – ambitioniert bekocht, ohne die Preise, die man in Kopenhagen oder Stockholm für vergleichbares Niveau zahlen würde. Zum Vergleich: Ein ähnliches Menü in Stockholm läge eher bei 120 bis 150 Euro. Verzichten Sie dagegen auf die Touristenrestaurants direkt am Rathausplatz – dort zahlt man für mittelmäßiges Essen locker das Doppelte dessen, was zwei Straßen weiter für echte lettische Küche fällig wird.
Ein Bier im Alus Sēta, einer traditionellen Bierstube nahe der Peterskirche, kostet 3 bis 4 Euro für einen halben Liter lokal gebrautes Bier von Valmiermuižas – deutlich günstiger als die 6 bis 7 Euro, die man in vergleichbaren Lokalen in Tallinn oder Vilnius zahlt. Riga bleibt beim Bier das günstigste der drei baltischen Hauptstädte, auch wenn der Unterschied inzwischen kleiner ausfällt als noch vor fünf Jahren.
Sehenswürdigkeiten und was sie wirklich kosten
- Die Peterskirche (Sv. Pētera baznīca) mit ihrem 72 Meter hohen Aussichtsturm kostet 9 Euro Eintritt und bietet den besten Blick über die Jugendstilfassaden der Albert-Straße – bei klarem Wetter sieht man bis zum Hafen.
- Das Jugendstilmuseum in der Alberta iela 12 kostet 6 Euro und lohnt sich vor allem für alle, die anschließend selbst durch das Viertel spazieren wollen, denn danach erkennt man plötzlich die Details an jeder zweiten Fassade.
- Der Bastionsberg-Park (Bastejkalns) mitten im Zentrum ist kostenlos und im September golden gefärbt, mit Kanalbooten, die für 8 Euro eine 45-minütige Fahrt anbieten.
- Das KGB-Museum (Stūra māja) an der Ecke Brīvības/Stabu iela kostet 3 Euro und ist deutlich weniger besucht als vergleichbare Museen in Vilnius, obwohl die Dokumentation genauso eindringlich ist – ein Grund mehr, sich hier tatsächlich Zeit zu nehmen statt nur durchzulaufen.
Wer alles zusammenrechnet, kommt für ein dichtes Sightseeing-Wochenende auf etwa 30 Euro an Eintrittsgeldern – überschaubar im Vergleich zu westeuropäischen Hauptstädten, wo allein zwei Museumsbesuche oft schon 40 Euro kosten.
Nahverkehr: Wann sich die Tageskarte lohnt
Rigas öffentlicher Nahverkehr aus Bussen, Trams und Trolleybussen kostet 1,50 Euro pro Einzelfahrt oder 5 Euro für eine 24-Stunden-Karte. Da die Altstadt selbst komplett fußläufig ist und die meisten Sehenswürdigkeiten in einem Radius von zwei Kilometern liegen, lohnt sich die Tageskarte erst, wenn man auch das Jugendstilviertel, den Zentralmarkt und mindestens einen Ausflug ins Grüne einplant. Für ein reines Altstadt-Wochenende reichen zwei bis drei Einzeltickets völlig aus.
Anfang oder Ende September: Was den Unterschied macht
Die ersten beiden Septemberwochen liegen tagsüber meist noch bei 17 bis 20 Grad, mit Abenden, die eine leichte Jacke verlangen, aber noch draußen sitzen lassen. Ab Ende des Monats fällt die Temperatur oft unter 12 Grad, und der Wind vom Meerbusen macht Spaziergänge entlang der Daugava weniger angenehm. Wer die Wahl hat, sollte die erste Septemberhälfte buchen – nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, weil dann noch mehr Restaurantterrassen geöffnet haben und die Flugpreise vor den Herbstferien meist etwas niedriger liegen als danach.
Ein Tagesausflug, der sich lohnt: Jūrmala
Der Ostseebadeort Jūrmala liegt nur 25 Minuten mit der Vorortbahn von Riga entfernt und kostet für die Hin- und Rückfahrt 3,20 Euro. Im September ist der 33 Kilometer lange Sandstrand fast menschenleer, die Holzvillen im Jugendstil entlang der Jomas iela liegen im goldenen Nachmittagslicht, und die Wassertemperatur reicht für alle, die nicht wärmer als 17 Grad brauchen, noch für ein kurzes Bad. Ein Fischrestaurant direkt am Bahnhof, das Kuģis, serviert einen ganzen gegrillten Dorsch für 9 Euro – mehr braucht ein Nachmittag an der Ostsee eigentlich nicht.
Das komplette Wochenendbudget
Für zwei Nächte, drei Tage, mit Mittelklasse-Unterkunft in der Miera iela, zwei bis drei Restaurantbesuchen, dem Ausflug nach Jūrmala und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten kommt man bei aktuellen Preisen auf folgende Rechnung: Flug ab Frankfurt 110 Euro, Unterkunft 110 Euro (zwei Nächte à 55 Euro), Essen und Trinken 60 Euro, Nahverkehr und Jūrmala-Ausflug 12 Euro, Eintritte 30 Euro. Macht zusammen 322 Euro pro Person – ein Betrag, der in München oder Hamburg gerade mal für zwei Nächte Hotel reicht, ohne Flug, ohne Essen, ohne ein einziges Museum.
Das ist der eigentliche Punkt an Riga im September: Man bekommt eine Hauptstadt mit Jugendstil-Architektur, die es qualitativ locker mit Wien oder Prag aufnimmt, zu einem Bruchteil der Kosten, die man in westeuropäischen Städten für dasselbe Wochenende hinlegen würde. Der einzige Haken – falls man ihn so nennen will – ist die Anreise: airBaltic bedient nicht jeden deutschen Flughafen täglich, und wer spontan bucht statt drei Wochen im Voraus, zahlt schnell 80 Euro mehr für denselben Flug. Wer das einplant, bekommt am Ende ein Wochenende, das sich weder nach Kompromiss noch nach Sparurlaub anfühlt, sondern einfach nach einer richtig guten Idee.