Die Sächsische Schweiz ist eine Landschaft, die einem im Hochsommer gleich zweimal begegnet: einmal auf den Postkarten mit der Basteibrücke im Morgendunst, und einmal in der Realität, wenn man um halb elf an der Steinbrücke steht und sich kaum bewegen kann, weil dreihundert andere Menschen genau dasselbe Motiv fotografieren wollen. Beide Versionen sind echt. Wer den Elbsandstein im Juli und August wirklich genießen will, muss nur lernen, der zweiten Version aus dem Weg zu gehen — und das ist einfacher, als die meisten denken.
Warum der Hochsommer hier anders funktioniert
Das Elbsandsteingebirge südöstlich von Dresden ist kein klassisches Gebirge mit langen Anstiegen, sondern ein zerklüftetes Sandsteinplateau, durch das sich die Elbe geschnitten hat. Das bedeutet kurze, oft steile Auf- und Abstiege über Stahlstiegen und in den Fels gehauene Stufen, dafür aber selten mehr als 400 Höhenmeter am Stück. Im Hochsommer hat das einen praktischen Vorteil: In den engen Schluchten wie dem Polenztal oder der Schwedenlöcher bleibt es spürbar kühler als oben auf den Felsriffen, manchmal um sechs oder sieben Grad. An einem schwülen Augusttag ist das der Unterschied zwischen einer Quälerei und einem angenehmen Spaziergang.
Der Haken: Genau diese Hitze treibt im Sommer auch die Tagesgäste aus Dresden in Scharen heraus. Die Bastei, die Festung Königstein und der Aufstieg zur Schrammsteinaussicht sind zwischen zehn und sechzehn Uhr regelrecht überlaufen. Das ist kein Geheimwissen, aber viele richten ihren Tag trotzdem nicht danach aus. Wer um sieben Uhr morgens an der Bastei steht, hat den berühmten Blick über die Felsnadeln fast für sich allein — eine Stunde später beginnt der Strom der Reisebusse vom Parkplatz Bastei herauf.
Drei Wanderungen, die den Trubel umgehen
Die bekannten Ziele muss man nicht meiden, man muss sie nur klug timen. Daneben gibt es Touren, die selbst im August erstaunlich ruhig bleiben:
- Affensteine und Carolafelsen statt Schrammsteine. Vom Wanderparkplatz Beuthenfall führt ein Weg in die Affensteine, ein Labyrinth aus Türmen und Riffen, das deutlich weniger Andrang hat als die benachbarten Schrammsteine. Der Blick vom Carolafelsen über das Felsenmeer gehört zu den besten der ganzen Region.
- Das Kirnitzschtal mit der historischen Straßenbahn. Seit 1898 fährt die Kirnitzschtalbahn von Bad Schandau bis zum Lichtenhainer Wasserfall — ein offener Sommerwagen, der einem die An- und Rückfahrt zu den Wanderungen abnimmt und das Auto im Tal überflüssig macht.
- Die Tour durch das Bielatal im Süden, das touristisch fast vergessen wirkt, obwohl es mit dem Herkulessäulen-Felsentor und alten Kletterpfaden eine eigene, stille Variante des Elbsandsteins zeigt.
Verzichten Sie an heißen Tagen auf die Mittagsetappe über offene Felsplateaus. Der Sandstein speichert die Wärme und gibt sie bis in den Abend wieder ab, Schatten ist dort oben Mangelware. Die bessere Wahl ist die umgekehrte Logik: Schluchten zur Mittagszeit, Aussichtsfelsen am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang.
Auf die andere Seite: die Böhmische Schweiz
Was viele übersehen — die Felslandschaft endet nicht an der tschechischen Grenze. Direkt dahinter liegt die Böhmische Schweiz mit dem Prebischtor, dem größten natürlichen Felstor Europas. Von Hřensko aus, das man mit der Fähre über die Elbe und einem kurzen Bus erreicht, ist es ein Tagesausflug. Die Edmundsklamm lässt sich dort streckenweise sogar mit dem Kahn befahren, gestakt von einem Fährmann durch eine enge, von Felsen überwölbte Schlucht. Es ist touristisch, ja, aber auf eine altmodische, fast nostalgische Weise — und in Tschechien zahlt man für Mittagessen und Bier noch immer deutlich weniger als auf der deutschen Seite.
Den Personalausweis sollte man trotzdem dabeihaben. Auch wenn die Grenze offen ist, kommt es im Sommer gelegentlich zu Kontrollen, und ohne Dokument wird der schöne Tag schnell kompliziert.
Schlafen, ankommen, Wasser
Die meisten Besucher übernachten in Bad Schandau oder im kleineren Rathen, und beides hat seine Berechtigung. Rathen liegt direkt unterhalb der Bastei und ist autofrei — wer hier wohnt, steht morgens vor allen anderen am Aussichtsfelsen. Bad Schandau dagegen ist der Verkehrsknoten: Hierhin fährt im Halbstundentakt die S-Bahn S1 aus Dresden, was die ganze Region auch ohne eigenes Auto erschließt. Für einen Wochenendausflug ist die Bahn fast immer die entspanntere Wahl, weil die Wanderparkplätze an Sommerwochenenden schon vormittags voll sind.
Ein letzter, oft unterschätzter Punkt: Nehmen Sie genug zu trinken mit. Im Sandstein gibt es kaum Quellen, und die Hüttendichte ist geringer als in den Alpen. Anderthalb bis zwei Liter pro Person an einem warmen Tag sind kein Luxus, sondern das Minimum — die Stahlstiegen in der prallen Nachmittagssonne fordern mehr, als die paar Höhenmeter auf der Karte vermuten lassen.