Azoren

Slow Travel auf den Azoren: São Miguel ohne Eile

Slow Travel auf den Azoren: São Miguel ohne Eile

Die Azoren verleiten dazu, alles auf einmal sehen zu wollen: Kraterseen, heiße Quellen, Wale, Teeplantagen. Genau das ist der Fehler. São Miguel, die größte Insel, belohnt nicht das Abhaken, sondern das Verweilen. Ich habe eine Woche auf der Insel verbracht und am Ende weniger gesehen, als ich vorhatte – und mehr erlebt.

Sete Cidades braucht Geduld

Der berühmte Doppelkrater mit dem grünen und dem blauen See zeigt sich nur, wenn die Wolken es zulassen. An manchen Tagen wartet man vergeblich. Wer aber morgens da ist und eine Stunde bleibt, sieht oft, wie der Nebel aufreißt und die Seen plötzlich daliegen. Dieses Warten ist Teil der Erfahrung.

Furnas: Erde, die kocht

Im Ort Furnas blubbert die Erde. Hier wird der Cozido, ein Eintopf, in Löchern im heißen Boden gegart. Man bestellt ihn mittags in einem der Restaurants und schmeckt buchstäblich den Vulkan. Danach badet man in den warmen, eisenhaltigen Becken des Parque Terra Nostra.

Wie man die Insel wirklich genießt

  • Einen Standort wählen: Statt jeden Tag das Hotel zu wechseln, lohnt sich eine feste Basis in Ponta Delgada oder Furnas.
  • Aufs Wetter hören, nicht auf den Plan: Ist der Westen wolkenverhangen, fährt man eben in den klareren Osten.
  • Lokalen Käse und Ananas probieren: Beides wächst auf der Insel und schmeckt nirgends so frisch.

Wale ohne Show

Die Walbeobachtung von São Miguel aus ist seriös organisiert; die Anbieter halten Abstand und fahren mit kleinen Booten. Pottwale sieht man oft, Delfine fast immer. Garantien gibt es keine – das ist gut so.

São Miguel lehrt eine einfache Lektion: Auf einer Vulkaninsel im Atlantik bestimmt das Wetter, nicht der Reiseplan. Wer das akzeptiert und langsam macht, geht entspannter und mit mehr Bildern im Kopf nach Hause.