Lissabon

Lissabon im Herbst: drei Viertel abseits der Touristenpfade

Lissabon im Herbst: drei Viertel abseits der Touristenpfade

Im Oktober wird Lissabon endlich wieder begehbar. Die Hitze ist weg, die Kreuzfahrtmassen dünnen aus, und das Licht über dem Tejo bekommt diesen weichen, goldenen Ton, für den die Stadt eigentlich berühmt sein sollte. Ich war zum vierten Mal dort und habe mir diesmal vorgenommen, die Alfama links liegen zu lassen.

Wo es sich noch echt anfühlt

Campo de Ourique ist ein Wohnviertel, kein Postkartenmotiv. Genau das macht den Reiz aus. Der Mercado de Campo de Ourique füllt sich mittags mit Leuten, die hier tatsächlich arbeiten, und ein Bica kostet noch unter einem Euro, wenn man sich vom Tresen bedienen lässt statt von der Terrasse.

Marvila: alte Lagerhäuser, neue Ideen

Östlich des Zentrums, entlang der Bahnlinie, haben sich in den ehemaligen Industriehallen von Marvila kleine Brauereien und Buchcafés eingerichtet. Am Wochenende ist hier wenig los, unter der Woche fast nichts. Wer Ruhe sucht und trotzdem ein gutes Bier will, ist richtig.

Estrela: Park, Basilika, Pause

Der Jardim da Estrela ist der Garten, in den die Stadt zum Durchatmen geht. Schatten, ein Teich, ältere Herren beim Kartenspiel. Gegenüber thront die weiße Basílica da Estrela, und von ihrer Kuppel sieht man bei klarem Wetter bis zur Brücke.

Praktisches, das ich gelernt habe

  • Tram 28 meiden: Überfüllt und ein Hotspot für Taschendiebe. Die Linie 24 fährt eine ähnlich schöne Strecke mit halb so vielen Menschen.
  • Schuhwerk: Die Calçada, das Kopfsteinpflaster, wird bei Nieselregen spiegelglatt. Profilsohle ist kein Luxus.
  • Essen außerhalb der Stoßzeiten: Portugiesen essen spät. Wer um 20 Uhr in einer Tasca sitzt, hat die Küche fast für sich.

Lissabon im Herbst ist keine andere Stadt, aber eine entspanntere. Man sieht dieselben Aussichten, nur ohne sich durch eine Menschentraube schieben zu müssen. Drei Tage reichen für diese drei Viertel – wenn man bereit ist, langsam zu gehen.