Marseille spaltet die Meinungen wie kaum eine andere französische Stadt. Die einen warnen vor Schmutz und Kriminalität, die anderen schwärmen von Energie und Vielfalt. Nach mehreren Tagen vor Ort sage ich: Beide haben recht, und genau das macht Marseille so lebendig. Es ist Frankreichs ungeschönte, mediterrane Seele.
Der Vieux-Port und das alte Viertel
Der Alte Hafen ist das Zentrum, an dem morgens noch Fischer ihren Fang verkaufen. Dahinter steigt das Panier-Viertel an, das älteste der Stadt, mit engen Gassen, Streetart und kleinen Werkstätten. Hier spürt man die Mischung aus Verfall und Wiederbelebung, die Marseille ausmacht.
Notre-Dame de la Garde
Die Basilika auf dem höchsten Hügel, von den Marseillern liebevoll „la Bonne Mère" genannt, wacht über die Stadt. Der Aufstieg lohnt sich für den Rundumblick: das Häusermeer, der Hafen, die vorgelagerten Inseln und das weite Mittelmeer.
Worauf man sich einlässt
- Die Calanques: Vor den Toren der Stadt liegen die Calanques, schroffe Kalkfelsbuchten mit türkisem Wasser. Eine Wanderung oder Bootstour dorthin ist ein Höhepunkt.
- Bouillabaisse: Die berühmte Fischsuppe gibt es echt nur in wenigen Lokalen und nicht billig – Vorsicht vor Touristenfallen am Hafen.
- Wachsamkeit: Wie in jeder Großstadt gilt: Wertsachen sichern, aufmerksam bleiben, aber nicht in Angst verfallen.
Eine Stadt der Vielfalt
Marseille ist seit Jahrtausenden ein Schmelztiegel. Auf den Märkten von Noailles riecht es nach Gewürzen aus aller Welt, die Sprachen mischen sich, und das Essen spiegelt die Herkunft der Bewohner aus dem ganzen Mittelmeerraum wider.
Marseille ist nicht hübsch im klassischen Sinn, aber faszinierend. Wer eine geschliffene Postkartenstadt sucht, ist hier falsch. Wer das echte, raue, mediterrane Leben erleben will, findet eine Stadt, die unter die Haut geht.