Der Nightjet von Wien nach Venedig klingt romantischer, als er ist – und genau darum geht es. Man legt sich in Wien hin, wacht in Norditalien auf und hat einen ganzen Reisetag gespart. Ich habe die Strecke im Spätoktober gemacht und würde es wieder tun, aber mit ein paar Lehren im Gepäck.
Welche Klasse sich lohnt
Der Liegewagen mit sechs Plätzen ist günstig, aber man teilt sich den Raum mit Fremden und schläft entsprechend. Das Abteil im Schlafwagen kostet deutlich mehr, dafür gibt es ein Waschbecken, Frühstück und eine Tür, die zugeht. Für eine einzelne Nacht reicht die Liege. Für Reisende, die schlecht schlafen, ist der Aufpreis gut investiert.
Der Moment, der den Preis wert ist
Kurz nach sechs schiebt sich der Zug über die lange Brücke nach Venedig, links und rechts nur Lagune und Morgennebel. Wer wach ist und am Fenster sitzt, vergisst die unbequeme Nacht sofort.
Was ich beim nächsten Mal anders mache
- Früh buchen: Die Preise steigen steil, je voller der Zug wird. Drei Monate vorher ist die Liege halb so teuer wie kurzfristig.
- Eigene Verpflegung: Das Bordangebot ist mager. Brot, Käse und eine Flasche Wasser aus dem Wiener Supermarkt machen den Abend angenehmer.
- Ohrstöpsel und Schlafmaske: Der Zug ruckelt, Türen schlagen, Mitreisende telefonieren. Ohne diese zwei Dinge wird es eine lange Nacht.
Ankunft ohne Stress
Der Bahnhof Santa Lucia liegt direkt am Canal Grande. Man tritt aus der Halle und steht im Bild. Das Vaporetto Richtung Rialto ist morgens noch leer – ein Vorsprung, den man später am Tag teuer bezahlen würde.
Der Nachtzug ersetzt keinen Flug an Geschwindigkeit, aber er ersetzt den ganzen Stress des Fliegens. Kein Sicherheitscheck, kein Transfer zum Flughafen, kein Warten. Man geht abends in Wien an Bord und ist morgens mitten in Venedig. Das ist die ehrlichste Form von Reisen, die ich kenne.