Prag im Hochsommer ist ein Albtraum aus Selfie-Sticks und Touristengruppen. Im tiefsten Winter, bei klirrendem Frost, verwandelt sich die Stadt zurück in das, was sie eigentlich ist: ein melancholisches Gesamtkunstwerk aus Stein, Nebel und gedämpftem Licht. Wer die Kälte erträgt, bekommt Prag fast geschenkt.
Die Karlsbrücke im Morgengrauen
Tagsüber ist die Karlsbrücke ein Strom aus Menschen. Aber um sieben Uhr früh, wenn der Nebel über der Moldau hängt und die barocken Heiligenfiguren feucht glänzen, gehört sie einem allein. Dieser Moment ist Grund genug, früh aufzustehen.
Die Burg ohne Schlange
Der Hradschin, die größte zusammenhängende Burganlage der Welt, ist im Winter angenehm leer. Der Veitsdom mit seinen bunten Glasfenstern und das Goldene Gässchen lassen sich in Ruhe erkunden, während draußen der Wind pfeift.
Wärme finden
- Ins Bierlokal: Eine Pilsner Urquell vom Fass in einer alten Hospoda kostet weniger als ein Mineralwasser in Westeuropa. Dazu Gulasch mit Knödeln.
- Frühe Dämmerung nutzen: Es wird gegen halb fünf dunkel. Dann beginnt die schönste Zeit, wenn die Gaslaternen die Gassen beleuchten.
- Trdelník überspringen: Das süße Teiggebäck wird als Prager Spezialität verkauft, ist aber ein touristischer Mythos. Lieber echte tschechische Küche probieren.
Die Aussicht von Petřín
Der Hügel Petřín bietet einen weiten Blick über die verschneite Stadt. Die Standseilbahn fährt auch im Winter, und oben ist man oft fast allein mit dem Panorama der hundert Türme.
Prag bei Frost ist kalt, manchmal unwirtlich, aber von einer Schönheit, die im Sommer im Trubel untergeht. Wer warme Kleidung und ein bisschen Frühaufsteher-Disziplin mitbringt, erlebt die goldene Stadt von ihrer stillsten Seite.