Es gibt diesen Moment im Juni, in dem die Schulferien noch nicht begonnen haben, die Tage aber schon lang und warm sind. Wer jetzt verreist, hat einen unfairen Vorteil: leerere Wege, günstigere Unterkünfte und Orte, die noch nicht im Hochsommer-Trubel versinken. Genau über solche Reisen will ich hier schreiben, ehrlich und ohne Hochglanz.
Mein erster Beitrag ist deshalb kein klassischer Reiseführer mit Sternchen-Bewertungen, sondern eine kleine Sammlung von Zielen in Mittel- und Südeuropa, die im Juni besonders gut funktionieren, ohne dass man dafür ein Vermögen ausgeben muss.
Slowenien statt überfülltem Süden
Wer an Bergseen und türkisfarbenes Wasser denkt, landet schnell in den üblichen, völlig überlaufenen Ecken. Slowenien bleibt dagegen erstaunlich entspannt. Der Bohinjsee, etwas größer und ruhiger als sein berühmterer Nachbar Bled, ist im Juni angenehm leer. Morgens liegt oft noch Nebel über dem Wasser, und man teilt das Ufer höchstens mit ein paar Frühschwimmern.
Eine Nacht in einem einfachen Gästehaus liegt hier oft bei 60 bis 80 Euro, Frühstück inklusive. Von Ljubljana aus ist man in gut anderthalb Stunden da, auch ohne Mietwagen, denn im Sommer fahren regelmäßig Busse.
Die Algarve, aber bitte abseits der Strände
Portugals Süden kennt man als Strandziel. Im Juni lohnt sich aber gerade das Hinterland. In Städtchen wie Silves oder Tavira ist es noch nicht drückend heiß, und die Mandelbäume und Orangenhaine stehen in vollem Saft. Ein Mittagessen in einer einfachen Tasca, gegrillter Fisch mit Salat, kostet oft nicht mehr als zwölf Euro.
- Früh aufstehen lohnt sich: Die Märkte beginnen gegen acht und sind bis zehn am schönsten
- Wer baden will, fährt erst am späten Nachmittag an die Küste, wenn die Tagesgäste schon wieder weg sind
- Ein Mietwagen ist hier sinnvoll, der Bus erreicht die kleinen Orte nur sporadisch
Sächsische Schweiz für alle, die nicht weit fahren wollen
Man muss nicht immer ins Ausland. Die Felslandschaft südöstlich von Dresden ist im Juni eine kleine Offenbarung. Die berühmte Bastei-Brücke ist morgens vor neun fast menschenleer, danach wird es zäh. Wer früh startet, hat die Aussicht fast für sich.
Übernachten lässt es sich gut in Pirna oder einem der Dörfer im Elbtal. Eine Pension kostet selten mehr als 70 Euro, und mit der Bahn ist man von Dresden in einer guten halben Stunde mitten im Wandergebiet. Festes Schuhwerk nicht vergessen, der Sandstein wird nach Regen rutschig.
Was im Juni wirklich zählt
Drei Dinge habe ich auf solchen Reisen gelernt, und sie gelten fast überall.
Erstens: Reise unter der Woche, wenn es geht. Der Unterschied zwischen Dienstag und Samstag ist an beliebten Orten enorm, sowohl beim Andrang als auch beim Preis. Zweitens: Plane die schönsten Punkte für den frühen Morgen. Was um sieben Uhr ein stiller Aussichtspunkt ist, wird um elf zur Schlange. Drittens: Lass Lücken im Plan. Die besten Erinnerungen entstehen selten dort, wo man sie vorgesehen hat, sondern in dem kleinen Café, das man zufällig findet.
Klein anfangen
Man muss nicht gleich zwei Wochen am Stück frei nehmen. Ein langes Wochenende im Juni, klug gewählt und früh gebucht, fühlt sich oft erholsamer an als der hektische Pauschalurlaub im August. Genau dafür ist dieser Blog gedacht: Reisen, die machbar bleiben, ohne dass man dafür den Verstand oder das Konto überstrapaziert.
Im nächsten Beitrag geht es ums Packen mit Handgepäck allein, weil nichts eine Reise so leicht macht wie ein Koffer, den man nie aufgeben muss.