Reykjavík

Reykjavík im Schneematsch: Island ohne Postkartenwetter

Reykjavík im Schneematsch: Island ohne Postkartenwetter

Island wird mit Hochglanzfotos verkauft: blauer Himmel über Gletschern, rosa Sonnenuntergänge an Wasserfällen. Im Januar sieht die Realität anders aus. Reykjavík liegt oft unter einer grauen Decke, der Wind treibt Schneematsch durch die Straßen, und das Tageslicht reicht knapp von zehn bis vier. Trotzdem – oder gerade deshalb – lohnt die Reise.

Die Stadt bei schlechtem Wetter

Wenn der Wind heult, flüchtet man nach innen. Die Hallgrímskirkja mit ihrem ausladenden Beton ist von innen schlicht und beeindruckend; von ihrem Turm sieht man die bunten Wellblechdächer der Stadt. Das Schwimmbad Sundhöllin ist beheizt und draußen – man liegt im warmen Wasser, während Schneeflocken aufs Gesicht fallen.

Warm werden ist eine Wissenschaft

Die geothermalen Bäder sind das Herz des isländischen Alltags. Anders als die teure Blaue Lagune nutzen Einheimische die Stadtbäder. Eintritt günstig, Wasser heiß, Atmosphäre entspannt. Ein Muss bei jedem Wetter.

Was man realistisch erwarten darf

  • Polarlichter sind ein Bonus, keine Garantie: Bei bedecktem Himmel sieht man nichts. Drei bis vier Nächte erhöhen die Chance.
  • Ausflüge können ausfallen: Bei Sturmwarnungen werden Touren gestrichen – Sicherheit geht vor, das sollte man akzeptieren.
  • Alles ist teuer: Ein Bier kostet ein kleines Vermögen. Im Supermarkt Bónus kauft man günstiger ein.

Der Golden Circle im Winter

Die klassische Tagestour zu Geysir, Gullfoss und dem Nationalpark Thingvellir funktioniert auch im Winter, wenn die Straßen frei sind. Der gefrorene Wasserfall Gullfoss ist im Januar fast schöner als im Sommer.

Island im Winter ist kein Postkartenurlaub, sondern eine Begegnung mit rauer Natur. Wer flexibel bleibt, sich warm anzieht und das Wetter nicht persönlich nimmt, erlebt eine Insel, die ehrlicher ist als jedes Hochglanzfoto.