Palermo im Januar ist eine Stadt ohne Maske. Die Touristenströme des Sommers sind versiegt, die Märkte gehören wieder den Einheimischen, und das tiefstehende Winterlicht legt sich golden über die verfallenden Paläste. Es ist die ehrlichste Zeit, um diese widersprüchliche, faszinierende Stadt kennenzulernen.
Die Märkte sind das Herz
Auf dem Ballarò oder dem Capo-Markt rufen die Händler ihre Ware aus wie auf einem orientalischen Basar – ein Erbe der arabischen Vergangenheit der Insel. Im Januar gibt es Orangen, Artischocken und Fenchel im Überfluss. Man isst Streetfood im Stehen: Panelle, frittierte Kichererbsenfladen, oder das berüchtigte Pani ca' meusa mit Milz. Nichts für jeden Magen, aber echtes Palermo.
Normannen, Araber, Barock
Die Cappella Palatina im Normannenpalast vereint byzantinische Mosaike, arabische Deckenmalerei und normannische Architektur in einem einzigen, atemberaubenden Raum. Im Winter steht man nicht Schlange, sondern hat Zeit, nach oben zu schauen, bis der Nacken schmerzt.
Worauf man achtet
- Der Verfall gehört dazu: Viele Paläste bröckeln. Das ist kein Mangel, sondern Teil der morbiden Schönheit der Stadt.
- Bargeld bereithalten: Auf den Märkten und in kleinen Lokalen zahlt man bar.
- Geduld im Verkehr: Palermos Straßenverkehr folgt eigenen Gesetzen. Als Fußgänger geht man bestimmt, aber wachsam.
Ein Ausflug nach Monreale
Nur wenige Kilometer außerhalb thront der Dom von Monreale mit seinen goldenen Mosaiken über der Stadt. Im Januar ist die Busfahrt entspannt, und die Kathedrale fast leer.
Sizilien im Winter ist mild, lebendig und unverstellt. Palermo zeigt sich im Januarlicht von seiner authentischsten Seite – chaotisch, verfallen, prächtig und voller Leben, das sich nicht für Touristen verstellt.